Donnerstag, 22. Februar 2024

Nicht anders sind immer nur die Anderen


Ich habe auf diesem Blog schon einmal etwas über den Soziologen Georg Simmel und das von ihm beschriebene Spannungsverhältnis zwischen Abgrenzungs- und Zugehörigkeitsbedürfnissen geschrieben. Individuen sind demnach immer auf Beides konzentriert: Wie die Anderen zu sein und nicht wie die Anderen zu sein. Dass das so ist, zeigt sich zum Beispiel an der eigentlich widersinnigen Tatsache, dass Anders-Sein immer nur in seinen sozial anerkannten Formen attraktiv erscheint. Kauzige Universalgelehrte oder Künstlerinnengenies sind nach landläufiger Meinung reizvollere Archetypen als z. B. durch Armut erzeugtes Außenseitertum. Dass wir Identitäten überhaupt ablehnen können, ohne diese selbst zu verkörpern, hat mit sozial vorgegebenen Vorstellungen darüber zu tun, welche Abweichungen erstrebenswert sind und welche nicht. 

Nietzsche studieren > Keine Manieren 

Ein verwandtes Paradox zielt auf den Wunsch, anders zu sein, der wenn nicht als anthropologische, so vielleicht zumindest als eine soziale Konstante verstanden werden kann. Distinktion konstituiert Identität. Wenn man damit aber von einer Verallgemeinerung des Anders-Sein-Wollens auf alle Teilnehmerinnen einer Gesellschaft ausgeht, wäre authentisches Anders-Sein, dann nicht nur noch über ein Nicht-Anders-Sein-Wollen zu haben? Und wäre dieses Nicht-Anders-Sein-Wollen, wenn wir Simmel folgen, nicht seinerseits wieder ein Anders-Als-Die-Außenseiter-Sein-Wollen? 

Raus aus der Misere führt (vielleicht) nur die Indifferenz. Ein naives Anders-Als-Die-Leute-Sein-Wollen-Die-Zwischen-Gewöhnlich-Und-Anders-Unterscheiden.

 


 



Samstag, 31. Dezember 2022

Silvia wird 23

Ich schrieb auf diesem Blog einmal etwas über Neujahrsvorsätze. Resümee damals: Sie können ein bewährtes Mittel zur Selbstberuhigung sein, das aber dort an Grenzen stößt, wo tatsächlich ein ernstgemeintes Verlangen nach Selbstveränderung besteht. Dass es nicht nur verdächtig, sondern auch riskant ist, den Beginn des Projekts "Ein besserer Mensch sein" in die Zukunft zu verlagern, ist ziemlich einleuchtend und als Erkenntnis eher banal. Vermutlich lässt sie sich auch deshalb so problemlos in Selbsthilfelosungen wie "Lebe im hier und jetzt" umformulieren. Indem der damalige Blogeintrag die Hohlheit und Geschwätzigkeit von Neujahrsvorsätzen bemängelte, hat er in gewisser Weise Kalenderspruch gegen Kalenderspruch gestellt. Dank der charakteristischen Beliebigkeit solcher Floskeln, auch kein großer rhetorischer Aufwand. Meinem Vergangenheits-Ich, das sich so wunderbar darauf versteht den Common Sense zu beißender Gesellschaftskritik aufzublasen, war sie oft das wichtigste Werkzeug.

https://knusperbroiler.blogspot.com/2012/01/silvia-wird-12-oder-der-post-der.html




Freitag, 16. September 2022

Meeraufwand

Das Serienpublikum schimpft und jubelt dieser Tage über die bizarre Sondersituation, von gleich zwei großen Fantasystoffen heimgesucht zu werden. House of the Dragon ist eine, vom Autor begleitete, Verfilmung des Buches Fire & Blood aus dem A Song of Ice and Fire-Universum. Rings of Power eine Mittelerdeserie, die auf alles und nichts referiert. Ich schätze diese Informationen reichen aus, um einen berechtigten Verdacht davon haben zu können, welche Serie gerade kontroverser diskutiert wird. Aber warum ist das eigentlich so? 

Um diese Frage zu beantworten, kann man ganz vorne anfangen und sich überlegen, was künstlerische Fiktionen überhaupt für verwunderliche Dinger sind, mit ihrer Aufgabe uns (im Idealfall) auf besonders ästhetische Art und Weise anzulügen. Das hat vor zweihundert Jahren zumindest ein schlauer Dichter getan und in der Folge, die sogenannte Theorie von der Suspension of disbelief aufgestellt. Diese geht davon aus, dass sich Menschen mehr oder weniger bewusst auf eine Fiktion einlassen müssen, ohne dabei das Wissen aufzugeben, dass es sich dabei um eine Unwahrheit handelt. Dieser Pakt mit einer Geschichte kann und muss zu bestimmten Bedingungen geschlossen werden. Zum Beispiel darf eine Fiktion nicht völlig unzusammenhängend sein, sondern muss ihre eigenen Gesetze kultivieren, an denen sich Betrachterinnen orientieren können. Ovid beginnt seine Metormorphosen mit dem schicksalshaften Satz: 

"Ehe es Meer, Land und den allumschließenden Himmel gab, hatte die ganze Natur ringsum einerlei Aussehen; man nannte es Chaos: eine rohe, ungeordnete Masse, nichts als träges Gewicht und auf einen Haufen zusammengeworfene, im Widerstreit befindliche Samen von Dingen, ohne rechten Zusammenhang"

Und muss diesen Zustand gleich darauf schon wieder aufgeben, um in eine Fiktion überwechseln zu können, die der orientierten Betrachtung fähig ist. 
Normalerweise spricht man hier von der Konsistenz eines Kunstwerkes. Ein Qualitätskriterium das so großen Stellenwert genießt, dass inkonsistente Werke eigentlich nur dann eine Chance auf Wertschätzung haben, wenn sie den Regelbruch ganz bewusst vollziehen um dadurch lediglich auf einer höheren Ebene konsistent zu sein. 

In der Popkultur haben Begriffe wie "kanonisch" oder "lore" einen neuen Stellenwert. Sie zielen auf ein Konsistenzbewusstsein, dass die Rahmen der Kunstwerke oft weit überschreitet. Nicht selten auch die Kunstgattungsgrenzen, wie im Fall von HotD und RoP. Ich glaube, dass die Forderung nach Konsistenz in dieser Breite nur ästhetisch gerechtfertigt werden kann, wenn man dazu übergeht, den Verbund dieser Geschichten – das Universum, wenn man so will – selbst als Kunstwerk zu begreifen. Hier kann man einwenden, dass das weder eine große Umstellung, noch ein moderner Schritt ist. Begriffe wie Gesamtkunstwerk sind schließlich nicht neu und die Kunstgeschichte ist voll von Strömungen und Schulen, die sich kollektiv bestimmten Regeln unterwerfen. Recht neu scheint hier nur zu sein, dass sich der Anspruch der werkübegreifende Konsistenz auf die Ebene der Wordbuildings ausweitet. Was die kreativen Möglichkeiten natürlich in einer anderen Weise einschränkt als in der Frage, welche Motive und Themen ich bearbeite oder wie ich welchen Pinsel halte. Anders bedeutet dabei natürlich nicht "schwerer" oder "leichter", aber eben "anders". Auch hier kann man ältere Erzählungen ausmachen, die schon in dieser Tradition standen, bevor sie eine Tradition war, wie den Cthulhu-Mythos. Alles in allem scheint das aber eine Verlagerung von Konsistenzbewusstsein zu sein, die sich erst in den letzten Jahrzehnten in bedeutsamer Weise durchgesetzt hat. 

Hier kann man natürlich fragen, was das mit den darunter liegenden Geschichten macht und ob es aus Betrachterinnensicht überhaupt langfristig attraktiv sein kann, die Autonomie vieler Einzelkunstwerke gegen ein konsistentes Gesamtkunstwerk einzutauschen. Wenn die Fiktion in der Beurteilung immer erst daraufhin abgefragt werden muss, wie konsistent sie sich ins Gesamtgefüge eingliedert, ist damit möglicherweise irgendwann ein Grad der Verallgemeinerung erreicht, auf dem die Einzelkunstwerke zu bloßen Dienstleistern ihrer Universen werden. Damit ist gemeint, dass bestimmte Serien/Filme/Bücher primär noch die Aufgabe erfüllen, Arbeit am Gesamtkunstwerk zu leisten. Dieses zu erweitern, zu modifizieren, weiter auszuleuchten. Diese Tendenz zeichnet sich nicht nur in den Pfadabhängigkeiten der expandierenden Universen ab, in denen immer weniger kreative Entscheidungen von den einzelnen Erzählungen selbst getroffen werden können, sondern auch an den Anspruchshaltungen, die schon heute bestehen. Man solle einmal eine Serie über X machen, man solle doch nochmal genauer zeigen, wie das damals mit Y war, man könne doch auch einmal den Ort Z auf die große Leinwand bringen, das würde sicher ganz atemberaubend. 

Hier kann man sehen, dass der Fokus des Konsistenzbewusstseins auf gattungsübergreifendes Worldbuilding in eine Anspruchshaltung führen kann, die immer schon vorher bescheid weiß, was in neuen Geschichten zu lesen oder zu sehen sein wird bzw. sein sollte. Dass so etwas in kreative Sackgassen führen kann, sieht man nicht zuletzt an der Verlegenheitsentscheidung von Disney, im Star Wars Universum zwischen canon und legends zu unterscheiden. Anders hätten die damals geplanten Fortsetzungen von Episode 6 einfach nicht mehr überraschen können. Fragwürdig an dieser Geschichte ist nicht nur, dass Fiktionen teilweise mit Qualitätskriterien beurteilt werden, die nicht zwangsläufig etwas über die Stärken und Schwächen des Kunstwerks an sich aussagen müssen, sondern auch, dass Institutionen relativ willkürlich, darüber entscheiden können, an welche Erzählungen diese Ansprüche gelegt werden dürfen und an welche nicht. 

Das wird nirgendwo so deutlich wie an der unterschiedlichen Beurteilung von HotD und RoP. Beide Serien entfernen sich an wesentlichen Stellen von ihren Vorlagen. Die fehlende Buchnähe, die der Mittelerdeserie als Schwäche ausgelegt wird, gibt bei HotD allerdings Anlass zu Spannung. Das hat damit zu tun, dass der Autor der Vorlage Fire & Blood, diese im Buch als unsichere Erzählungen und Legenden markiert hat, während die Serie nun erzählen soll, wie es wirklich war. Dadurch muss in den Serien kein Frame ausgetauscht werden. Trotzdem verändert die Entscheidung eines Mannes grundlegend, wie das Verhältnis von Buchvorlage und Verfilmung am Ende bewertet wird. 

Wollen wir das? Wollen wir unser Kunsterlebnis wirklich immer darauf befragen, was in anderen Serien, Filmen, Comics, Videospielen oder Büchern passiert ist? Und fühlt es sich nicht irgendwie nach Betrug an, dass Einzelpersonen oder Konzerne dann trotzdem noch die Hälfte eines Universums mit einem Fingerschnipsen auslöschen können, wie so ein schlecht geschriebener Comicbösewicht? 

Ich für meinen Teil mag keine schlecht geschriebenen Comicbösewichte und ich mache mir zwar gerne Mehraufwand, aber kein Meer von Aufwand.

Donnerstag, 15. September 2022

Resilienz, Schmesilienz

 Die Welt und die Menschen, die da sind und die Menschen, die nicht da sind und die unerwünschten Veränderungen, die eintreten und die erwünschten Veränderung, die ausbleiben und die schlechten Erinnerungen, die nicht gehen wollen und die guten Erinnerungen, die nicht wiederkehren wollen. Sie alle zusammen vermischen sich und formen die gewaltigste Wolke.
Anfangs durch die vielen Farben von Erinnerungen, Menschen und der Welt durchzogen winden sie sich im bunten Farbenspiel umeinander, rotieren aufwärts und werden dabei immer schneller und immer hungriger. Die Fäden aus samter Watte nähren sich gierig von Wasser, Luft und Leben, reißen alles in ihre hohlen Mägen, gedeihen und wachsen und wachsen, während die Mägen immer größer werden. Ihre Nahrung floriert mit jedem Schritt, jeder Tat, jedem Gedanken und jeder Wahrnehmung.
Weiter, höher bäumt sich die Wolke auf und das Rot will zum Blau, das Lila zum Weiß und jede Farbe sucht sich stetig neue Partner im wildem Sturm der Zeit, so dass am Ende nur ein dunkles Grau verbleibt. Mit einem Knall, dem Höhepunkt erreicht, fällt sie in sich zusammen, weil die Last von hohlen Mägen nicht mehr getragen werden kann. In wenigen Jahren, einem Augenblick, vom prächtigen, farbenfrohen Turm zum grauen Moloch einer fetten und flachen Wolke, die zäh über dem Menschen schwebt und sich kaum vom Fleck rühren kann. 
Kaum merklich tippt ihr erster Tropfen auf dem Menschenkopf.
Und dann ein Weiterer. 
Es ist und wird immer nur ein Tropfen sein, der zeitgeich aus der Wolke kommt. Die Ersten sind kaum spürbar, die Nächsten werden lästig, die Nächsten der Nächsten offenbaren die Resilienz des Menschen. 

Erstellt mit Mittelreise KI


Die erste Landschaft, die vor dem Mensch erscheint ist die Akzeptanz. Ein steiler, schier unüberwindbarer Hang, fast so gewaltig, wie die Wolke selbst. Dahinter erstreckt sich weder Erfolg noch eine Ebene. Vielmehr ein Auf und Ab von Bergen, Tälern und Hügeln. So leicht ist es doch durch Achtsamkeit Akzeptanz aufzubauen, muss sich der Mensch doch nur bewusst werden, dass die größte Wolke über ihm steht und es stetig tropft. Wie schwer kann das sein?

Und es tropft.

Hat der Mensch den Hang überwunden und findet sich im mühseligen Land des Optimismus wieder. Hinter einem so steilen Hang kann doch nicht noch einer warten, müssten die Menschengedanken lauten. Immer einen Schritt vor dem anderen setzen, das nächste Tal als Belohnung, den nächsten Berg als endlich ansehen. Zuversicht, im Anbetracht einer endlosen Landschaft und einer gigantischen Wolke, die stets tropft, zu entwickeln, wird der Mensch doch wohl hinkriegen?

Und es tropft.

Der Grundstein für die seelische Widerstandsfähigkeit ist die Selbstwirksamkeit, die sich als gewaltiger, reißender Fluss zwischen ihm und dem Weiterkommen stellt. Der Mensch muss an die eigenen Fähigkeiten glauben. Die Fähigkeit als kleines, erschöpftes Wesen durch etwas schwimmen zu können, das in einer Armlänge mehr Energie vereint, als sein ganzer Körper aufbringen kann. So schwimme du kleiner Mensch, Schwimmen wurde doch jedem beigebracht?

Und es tropft.

Vor völliger Erschöpfung fast zusammenbrechend, kriecht der Mensch an den felsigen Strand seiner Eigenverantwortung. Pitschnass und keuchend wird es doch ein Leichtes sein, sich in dieser Lage nicht als Opfer der Umstände zu sehen, sondern vielmehr als Ursache. Wer diesen reißenden Fluss einst angelegt hat, wird sicherlich auch sein Ufer überwinden können?

Und es tropft.

Tausende Krabben am Strand beißen, klammern und zwicken mit ihren Klauen in die Menschenniere. Er schreit auf vor Schmerz, kann sich kaum noch halten. Zieht sich von Stein zu Stein, von Krabbe zu Krabbe. Vor lauter Leid bemerkt er nicht, dass die Krabben die Landschaft sind, die Netzwerkorientierung. Siehe die, die dir fast deine Bauchdecke durchbohrt haben, doch bitte als Freunde an, die dir Kraft schenken wollen für deine Krise. Ist es wirklich so schwer ihnen freundschaftlich die Klaue zu reichen?

Und es tropft.

Hinter dem Krabbenmeer ersteckt sich endlich die Ebene der Lösungsorientierung. Hier ist der Mensch nun. Diese Beine tragen nicht, diese Armen werden schwer. Kein Baum, kein Strauch, kein Berg, kein Schnee, keine Gras, kein Nichts. Nur flach und Erde. Verwundet und am Ende muss sich doch ein Weg finden, der dem Menschen hilft wieder an Stärke zu gewinnen. Es ist für den Mensch kein Ding der Unmöglichkeit einen Weg hier rauszufinden, oder?

Am Ende ist ein Horizont zu erkennen und der Mensch sackt zusammen, fällt auf die Knie. Schaut sich nach vorn um zum Nichts und zum Horizont. Er ist leer, die Landschaft fühlt sich leer an. 
Keine steilen Hänge, Berge, reißenden Flüsse oder Krabben mehr. Aber auch kein Gefühl. Er dreht sich in die andere Richtung und ist versucht umzukehren. Lieber das alles noch einmal durchleben, als das Nichts zu spüren. 

Langsam rafft er sich auf und setzt einen Schritt zurück in Richtung Krabbenmeer, als er es endlich realisiert. 

Und es tropft nicht mehr.



Mr. K



Sonntag, 11. September 2022

Niemals Spaghetti

So ziemlich jeder Mensch wollte in seinem Leben schon einmal eine Spaghetti sein. Lasst mich gern detaillieren, was so ziemlich jeder Mensch bedeuten soll: so ziemlich jeder Mensch also, der im Leben keine Probleme hat. Keine Probleme zu haben, ist, ich gebe euch recht, genau so undetalliert wie die erste gewagte Aussage. Sie ist, man könnte sagen, ja, problematisch. Vor allem für den Autor, der in dem Fall nun leider ich selbst bin.
Aber hat der Autor deswegen Probleme?
Nein. 
Und wollte er in seinem Leben schon mal eine Spaghetti sein?
Nun. Ja, unterbewusst wollte er das sicherlich damals sein. 
Wir fragen uns natürlich jetzt warum der Autor problematische Aussagen treffen kann, ohne Probleme zu haben und das obwohl er, wenn man sich mal die alten Einträge auf dieser famosen Blogseite so durchliest, in jedem Fall ein paar Probleme haben muss, denn nur jemand mit viel Fusilli im Gehirn kann sowas bewusst veröffentlichen wollen, ob nun ernsthaft oder ironisch spielt dabei keine Rolle. Ich bring es mal gekonnt auf den Punkt: er hat also Probleme, aber keine Probleme.
Probleme hat jemand, der zum Beispiel im Geburtslotto verloren hat (was übrigens so ungefähr 91% aller Kinder sind, die am Geburtenlotto teilnehmen, was übrigens so 100% der Kinder sind. Quellen hänge ich bewusst nicht an, aber wie man als knorke Socke heute sagen würde: vertrau mir Bruder), oder der am mittlerweile gestrigen Tage vor etlichen Jahren das Unvergnügen hatte, sich in zwei zwillingsgleichen Spaghettipackungen aufzuhalten, die mit fieser Bolognese bestrichen worden, oder jemand der weder sein zugehöriges Pesto noch seine Beilage kennt, oder jemand der im sprudelnden Salzwasser vergessen wurde, nur halb gekocht wurde, auf einer Seite hart und auf der anderen Seite weich ist und damit ungenießbar für die Gesellschaft.
Das ist Pasta mit Problemen. Das sind Menschen mit Problemen

Hätten wir also ein für allemal geklärt, was Probleme sind und was sie nicht sind. Puh, war ein hartes Stück Rigatoni bis dahin. Kommen wir aber ohne Umschweife zur Kernaussage zurück, die wir aufgrund der jetzt geklärten Nebenaussage viel besser verstehen können.
Hast du also keine Probleme, dann wirst du erstmal als stinknormale Pasta in die Welt gesetzt. Deine Nudelbäcker haben dich natürlich nicht vorher gefragt, ob du das überhaupt möchtest, aber das ist ein Thema für einen anderen Blogeintrag. (Hust, Mr M.). Die Welt oder Gott oder wer auch immer schenken dir ein wie auch immer geformtes teigiges Aussehen und du kannst relativ frei bestimmen, wie du es zu formen gedenkst. Irgendwann im Leben kommt die Zeit, wo man sich mit anderen Teigen messen muss und sich fragt: Warum sind manche Teige anderen Teigen so Farfallen und warum sehe ich eigentlich aus wie ein fettes Stück Tortiglioni Doppla Rigatura?!
Viel besser wäre es doch, wenn ich eine Spaghetti wäre, denn die sind dünn, sie mag absolut jeder und sie schlängeln sich gut durch Münder und, am Wichtigsten, durch die Gesellschaft der Pastaliebhaber. Das ist schön und gut und niemand kann dir vorschreiben welche Form du annimmst, aber wer schaut sich heutzutage noch einen Teller Spaghetti an und schreit vor Verzückung auf was für ein aufregendes Nudelgericht dies doch sei und wie spannend und interessant das ist? Genau, so ziemlich niemand.

Nehmt euch den Rat des Autors an und werdet die Nudel, die ihr schon immer sein wollt und lasst euch nicht sagen, dass ihr als Sedani Rigati nicht gut zu gabeln seid, ihr als Fusilli zu viele Windungen da oben habt oder euch als Tagliatelle in zu viele Sachen verstrickt. 
Der Autor selbst identifiziert sich gern als Gnocchi und ist stolz darauf. Auch wenn er selbst Nudel-Gnocchi ziemlich sinnlos findet und eher gern eine Gnocchi di Patate wäre, einfach um mal wieder die besonderste Schneeflocke am Pastahimmel zu sein, weil er nicht aus gewöhnlichem Hartweizengrieß besteht, sondern aus plumpen Kartoffeln. 
Aber sei es drum. Vergesst niemals eure frühere Spaghetti und werft nicht jede von ihnen gleich an den Kühlschrank, sondern gebt ihnen die Chance sich zu einem wunderschönen Farfalleschmetterling zu entwickeln. 

Mr. K.






Dienstag, 26. Juli 2022

Zusammen atomisieren

Als Jugendlicher habe ich mich eine lange Zeit der sogenannten schwarzen Szene zugehörig gefühlt. Ich glaube im Nachhinein, dass das viel mit der pubertären Geste des "Niemand versteht mich so richtig" zu tun hat, die dort zelebriert und konserviert wird. 

Man kann paradox finden, dass sich so ein Gedanke dazu eignet Menschen zusammenbringen, am Ende bestätigt sich hier aber nur, was der Soziologe Georg Simmel schon vor über hundert Jahren festgestellt hat: Individualität ist nie das bloße Sich-Unterscheiden von anderen, sondern immer ein Austarieren von Abgrenzung und Nachahmung. Da wir bei allem Individualitätsbedürfnis immer noch soziale Wesen sind, würde totale Verschiedenheit für die meisten wohl den (nicht nur sozialen) Tod bedeuten. Um dieses Spannungsverhältnis zumindest ein wenig zu lockern, bieten sich Gedanken und Weltbilder an, die, wenn nicht absolut individuell so doch zumindest gruppenspezifisch sind. Man kann sich dann immerhin noch als Teil einer Familie, eines Freundeskreises, einer Subkultur, eines Sportvereins, einer Religion, einer Generation oder eines Fandoms von anderen abgrenzen. 

Ich glaube die Phrase "Niemand versteht mich so richtig" ist dafür sogar naheliegend, weil sie die Möglichkeit echter Verständigung zwischen Menschen von vorneherein ausschließt und damit zumindest theoretisch Leute zusammenbringen kann, die sich eigentlich nicht so viel zu sagen haben. Neben dieser sozialen Komponente lässt sich darin auch manchmal etwas Verherrlichendes erkennen. Das eigene Nicht-verstanden-werden wird mit einer gewaltigen inneren Komplexität erklärt, die niemals ganz von Außen erfasst werden kann. Wenn nicht das höchste, so ist man doch zumindest ein besonders kompliziertes und tiefgründiges Wesen. 

Der Satz mag banal und kindisch sein, bezieht sich aber dennoch auf ein sehr reales Unbehagen. Es ist der berechtigte Zweifel an der Möglichkeit jemals ganz zu seiner Außenwelt durchzudringen. Die Frage ob man an den Grenzen der Sprache oder an denen der eigenen Artikulation oder doch an der Umwelt scheitert, die partout nicht verstehen will, ist dabei wahrscheinlich sogar noch vergleichsweise unkompliziert. Interessanter könnte sein darüber nachzudenken, wie es unsere Gesellschaft auf ein derartiges Effizienzniveau bringen konnte, wo die Nebelwälder zwischen uns doch so voller Illusionen und Missverständnisse sind.  

Dieses Auf-sich-selbst-zurückgeworfen-sein könnte zudem eine tröstliche Seite haben. Eine schizophrene, aber doch auch irgendwie beruhigende Bestätigung des Satzes, dass sich jeder selbst der Nächste ist. Leider scheint auch das Unternehmen zu sich selbst durchzudringen, nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Die Sprache, die in Gedanken genauso abstrakt bleibt wie im Sprechen, macht uns wieder einen Strich durch die Rechnung. Zurück bleibt ein atomisierter Ich-Ozean, in dem niemand je etwas sicher über jemanden weiß.  

Vielleicht ist das das große Geheimnis unserer Sozialität: Der Wunsch sich in der Gruppe ein paar Stunden darüber hinwegzutäuschen, dass alle Brücken abgerissen sind. Oder, wenn das schon unmöglich geworden ist, zumindest gemeinsam atomisiert zu sein. 




Montag, 18. Juli 2022

Sommerdepressionen

Was ist der Sommertag nur für eine phlegmatische Raum-Zeit-Gattung? Mitunter hat man den Eindruck, die Stunden selbst hängen am klebrig-geglommenen Asphalt fest. Ich will in den Sommernachtstraum segeln, aber das Sonnenlicht – im Winter unser aller Rettungsanker – muss sich am Meeresboden verhakt haben. 

(Auf der lauwarmen Brühe eines viel zu langen Juli-Tages festsitzend gesendet)



Freitag, 15. Juli 2022

Der Storm braint wieder?

Unsere Zeit steht im Zeichen der nostalgischen Rückkehr. Also warum nicht auch eine Rückkehr in das antiquierte Bloggingformat? Stormbraining als karmesinrotes Hoffnungsflackern am finster grinsenden Horizont der jungen 20er. Stormbraining als neue letzte Bastion gegen prinzipiell alles, was als Bedrohung wahrgenommen werden kann. Stormbrainig der vergissmeinnicht-bemusterte Parapluie, verständnisvoller Freund und Liebhaber und wie immer Iron Dome gegen den schlechten Geschmack. Das wäre schon was. Eine bessere Welt. Eine wie wir sie wollen, aber nicht verdienen, um hier auch nochmal den Sprüchekalender zu bemühen.  

Marlen Haushofer hat mal geschrieben, dass der Mensch nicht wieder zum Tier werden kann. Er stürzt am Tier vorbei in die Dunkelheit. Ich glaube Ähnliches gilt für Stormbraining. Alle Rückkehrversuche müssen heute in gloomiger Seltsamkeit münden. Aber ist diese Finsternis wirklich so schlecht? Wir können nicht an diesen Ort in der Jugend zurück, an dem wir den Blog einst eröffnet haben. Wir sind weniger aber eben auch mehr als damals. Was ist Erwachsenwerden nur für eine schöne und widersprüchliche Geschichte?



Donnerstag, 6. März 2014

Musik mit Substanz

Irgendwo auf einem Festival: Noch bevor du die erste Pfütze schmeckst, tobt scheppernd eine Bassipete auf den Boden deiner Tatsachen. Rock'n'Roll brüllt dir der Kammerchor leishals vom anderen Ende der Welt entgegen. Aus Löchern werden Kleider des Tanzes und der fehlgesteuerte Teil deiner versumpften Freunde wird zu ohrenbetäubend lauten Electro-Beats, die dir metaphorische Scheiße a lá "umtsk dub dub umtsk" an den Kopf werfen. Zwischendrin singen synthetisierte Nymphen noch ein wollüstiges Lalala und ein Evergreenembryo ward geboren, bereit die Erde mit fehlenden Notenschlüsseln zu bewerfen. Langsam rennend, fast schon schleichend, jagst du, fernab aller Hits, zum heiligen Fressbudenzirkel, der nach Gras und Schweinehaxe wohlriechenden Mittelalterhippies, die mit ihren Retro-Ukulelen ein Knobibrot zubereiten und es dir für sagenhaft billige Preise hinterwerfen. 
Man kann sich kaum retten vor dem Angebot; 
  • 'Verkauf deine Seele für eine Cola hier dreimal seeliger, als beim Stand dort drüben!',
  • 'Sonderangebot: Heute einen Brotkrümel bekommen und nur 3 Erstgeborene verlieren!
oder aber herzzerreißender Befindlichkeitskram, der mir tränenreiche Tränensäcke karikaturistisch an die Wangen zeichnet: 
  • 'Toiletten Benutzung 50ct'. 

Während du dir noch Zeit lässt eiligst deinen Electrodubreggae-Core-Burger (mit Dreifachkäse!!!) wegzuknuspern, siehst du vom Scham erfüllte Metaller, die ihre Hell'o'Kitty Bierbüchsen aus versehen in der Öffentlichkeit verdeckt haben. Vom berstig leckeren Schweißgeruch der Kopfschüttelnden eingedeckt, vollführst du Pirouetten der Sinnlosigkeit und wirfst ganz eklatant die Fliegenwolke zurück zu deren Erzeuger. Sie sterben. Metal.
Fliegende Würstchen sind da wohl dein einziges Problem im Dixie, oder? Richtig. Metal.

Kurz vor dem Merchandise-Stand drehst du dich noch einmal grob zur Seite, damit du nach deinen verschollenen Freunden suchen kannst, nur leider um exakt dreihundertundsechzig Grad. Erstaunen bereitet dir das Stück Papier in deiner rechten Hand und der Stift in deinem linken Mund; kaum erkenntlich unlesbar stehen da fünf, sich fast (also eigentlich nicht) reimende Wörter und aus unerklärlichem Grund erhältst du unfassbar fassbaren Ruhm, als du sie aussprichst. In sinnloser axialer Tätigkeit schriebst du: "Rappende Facetten, stählerne Ketten, vom Boden zum Boden zurück und Yoguretten. Bing Bing die Searchmachine!". Wassermelonenköpfe mit Elefantenhosen auf denen Hundenamen stehen, zerren deinen Zettel liebsam streng in den Aggro-Club, wo er fortan von DJ's 143959 Stunden am Stück aufgelegt wird. Irgendwie kommen da auch nur wenig viele Milliarden Besucher zu einem Fest, dessen Namen noch nie jemand danach gehört hat.

Kurzes Aufatmen. Endlich das geliebteste Bandshirt ever für 1€ verkauft, um das einer aufdringlich freundlichen Band zu kaufen. "Die hat sogar einen Namen?" 

Zeltplatz mit der Nummer 'A' aufgesucht; Zelt noch im selben Jahr gefunden; [keiner da/ jemand da] (Satz mit beliebigen Zeltplätzen wiederholen, bis 3 Freunde gefunden wurden). Bis dieser Algorithmus sein Ende fand, gaben dir hüpfende Kaninchen Acid, Mdma, Kokain, Lactose, Meskalin, DMT, Speed, Heroin und einen Schluck Erdbeersirup. Schließendlich nicht hinter der Bühne, sondern seitlich verschoben, also sozusagen vor der Bühne pogen so viele Menschen, dass die Liebesparade einpacken kann mit ihrer untertriebenen Darstellung der schuldlosen Opfer. Über alle Sterbenden bis hin zur scheinbar eingeschlafenen Security vorgekrabbelt, kann es dann losgehen:

In epochalem Geklatsche und ausflippenden Geschrei erdreistet die erste Musikgruppe mit ihren, aus dem Toys'r'us erbeuteten Instrumenten, sich auf der Bühne auszubreiten. Spastiges Gedudel und heilsames Gerede über diverse Hilfsprojekte der Band bringen dich in einen komatösen Zustand, aus deiner Stirn erwächst ein drittes Auge, damit du erst jetzt erkennst, dass die Stimme des Sängers, wie kugelroter Regen aus dem Playback kommt. (Playbacks werden von Drogenkonsumenten als graue Sandboxen wahrgenommen).

Nach drei Stunden, zwei Minuten und genau null Sekunden wirst du von deinen verbliebenen sechs Freunden auf dem Krankenbett deines Vertrauens wiedergefunden. Das Festival ist vorbei und alle raunen mit Ehrfurcht in der Stimme, wie "goil" es doch war.
Da du deinen Freunden nie einen guten Musikgeschmack zugetraut hast, nickst du alles brav ab und hast dich schon innerlich dafür entschieden, kein weiteres Festival zu besuchen. "Sind eh alle Scheißmist". 
Zu Hause ist es doch viel schöner, Pirate Bay hat genau meinen Geschmack.

Alle wahren Musiker sind an diesem Abend verstorben. Die Verbliebenen erhielten Klangkörper mit der Asche ihrer Liebsten befüllt. Das Klagelied "Sadest Deepbluesong of the rainiest World of Lonliness" konnte aufgrund von GEMA-Verordnungen nicht abgespielt werden. 



Montag, 3. März 2014

Völlig Weggeknuspert vom Leben

Wenn jemand dir deine Träume stiehlt und dazu noch deine Blogideen hinter deinem Rücken raubt, noch bevor du sie ganz aussprechen konntest, dann ist das nur einem hinterhältigen Menschen in seine verschlissenen Schuhe zu schieben. Dennoch, und das sage ich mit standhafter Inbrunst in meiner Stimme, zutschen Mr. M und ich noch immer an ein und derselben harten Spaghetti, so wie man es aus dem lieblichen Disney Hundefilm kennt. Unerklärlicher Weise tauchte, als wir über das Bloggen debattierten, auf einmal eine zu hohe Seitenaufrufszahl in den Blogspotstatistiken auf, derer wir uns nicht schuldig zu bekennen sind. Munkler maulten es läge an sogenannten Schlüsselwörtern, die den letzen Blog überschrieben. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass Mark Zuckerberg auf unseren Internetauftritt aufmerksam wurde und uns, so bald WhatsApp wieder sicher zum Abhören ist, die nächsten seiner Milliarden in unser Lebenswerk steckt, in welches wir täglich Schweiß und Blut stecken.

Bei einem vermeintlich inspirierenden Game-Soundtrack von einem Spiel, welches ich selbst noch nicht einmal angefangen habe zu spielen, versuche ich über ein geeignetes Thema nachzudenken. Motivationslosigkeit, Antriebslosigkeit - also im Prinzip das Sinnbild dieser Website - wurde hier schon viel zu oft angesprochen. Valentinstag ist zum Glück auch vorbei und einen Wideraufstieg von Königen möchte ich ebenso wenig verkünden, wie deren unzählige Abstiege.

Zur Zeit zerläuft vor mir eine Uhr in einer Spirale aus Buchstabensuppe, in der Möglichkeiten für ultrakurze Momente aufblitzen und sich dann mit den anderen Lettern wieder zu weiteren Optionen formen. Kann ich eine dieser Phrasen festhalten, verbrennen nach einigen Tagen meine Fingerspitzen und aus reinen Unmut lasse ich sie wieder frei und ersuche mein Glück durch ein weiteres Rühren. An meinem Tisch sitzen Stimmen, die mich bestätigen und welche, die mir widersprechen. Sie werfen neue Buchstaben in meine Suppe, so dass ich niemals satt werden kann und entreißen mir den Löffel, um selbst zu rühren. Und dann denke ich bei mir "Du musst jetzt dieses verdammte Wort essen, bevor es in der trüben Kräuterpfütze hier verblasst!".

Jedem, dem es genauso geht empfehle ich eine Therapie. Oder andernfalls einfach in diese Suppe zu spucken und sich vom Tisch zu erheben. Es spielt auch eigentlich gar keine Rolle, ob du nie den Oscar gewinnst, solange du nur irgendetwas tust und für dich selbst weißt, dass du es verdient hättest. An ganz vorderster Stelle ist man sich selbst das größte Problem. Viele sagen, der erste Schritt sollte sein, dies zu erkennen, doch eigentlich ruhen wir uns auf dieser Erkenntnis nur aus und warten darauf, dass ein Engel kommt und uns den Schwanz wieder gerade leckt. Das wird nicht passieren, solange du es nicht selbst machst.
Rein sinnbildlich gesprochen, natürlich.
Also merket; Suppen sind keine Wegweiser, Träume schon.


Ich hab jetzt erstmal Lust auf einen herzhaften Hotdog mit einer großen schwarzen Wurst.

  

Samstag, 1. März 2014

Al-Qaida, Amoklauf, Fluglinienübernewyork, ICQ

Stand der letzten Woche: Während die Ukraine brennt und die (in halbgaren Politdiskussionen bzg. unseres eigenen kleinen "Unterdrückerstaats" immer gern als Heilbringer herangezogene) Schweiz endlich die sehnlichst erwartete Volksinitiative gegen Masseneinwanderung durchgebracht hat, steht das Internet im Bann drastischerer Ereignisse:

"Facebook hat WhatsApp gekauft"
Und ich lese schon wieder die Petitionen: "Zuckerberg soll WhatsApp in Ruhe lassen", "Für ein sicheres WhatsApp".
Gestern noch beim Bier exen für das Internet gefilmt, haben dieselben Leute heute Angst, dass jemand in ihre Privatsphäre eingreift... ?!

Hier also ein ganz kurzer Anriss zum Thema:

Auf Facebook werden Alternativen geteilt, weil Datenschutz wichtig ist (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen). Innerhalb weniger Stunden entstehen ganz neue Trends, Trends wie Threema und Telegram die sicherer sein sollen, weil sie A zu B verschlüsseln, weil Datenschutz wichtig ist.
Dass WhatsApp schon immer veritabel unsicher war, hat die Bewegung "Datenschutz" die letzten Jahre wohl nicht mitgekriegt. 
Auch dass die Eigentümer etablierter Betriebssysteme wie Android, IOS, Windowsphone etc. nach wie vor niemand anderes als Google, Apple, Microsoft und co (Firmen die so oder so cool mit dem Satan persönlich: der NSA, sind) sind und diese, trotz Verschlüsselung im Prinzip ohnehin alles mitprotokollieren könnten bzw. vermutlich auch tun. 

Morgen kommt raus, dass Google Telefonate und Tasteneingaben speichern und wir kaufen uns alle Iphones, im naiven Glauben, Apple wäre da auch nur einen Ticken anders.

Wir sind mal wieder weniger dabei aufzuwachen, als Teil der altbewährten Massenhysterie. 
Der Trend ist nicht Threema oder Telegram, sondern der Datenschutz selbst. 
Alle schreien nach der Sicherheit ihrer Daten... bis übermorgen. 
Dann regelts der Gruppenzwang für Facebook und alle wandern wieder zurück zu WhatsApp, weil Datenschutz wichtig ist aber es eben einfach zu wenig Leute interessiert. 
Und ganz drauf verzichten kann man auch nicht, weil sonst müsste man wieder SMS schreiben und die Leute anrufen und oooh... das kann man ja nicht ernsthaft von uns erwarten -.-

Wie man dem Ganzen jetzt entnehmen könnte, interessiert sich der gewohnt ignorante Mr. M. nicht die Zwiebel für die Tragödie von Facebook und WhatsApp.
Viel eher wurmt es ihn, dieses Programm vor Jahren nicht selbst geschrieben zu haben und es daher nun folgerichtig auch nicht, in verräterischem Akt, an Facebook verkaufen zu können.

Doch so ist die Welt: Kalt und ungerecht.

PS: Vielen Dank an den guten Mr. K. der ausdrücklich NICHT die Erlaubnis gegeben hat, sein Thema aufzugreifen. Aber sie wissen doch, morgen könnte schon wieder Fleisch in der Salami gefunden werden, und welcher Leser könnte sich dann noch für dieses altbackene Thema begeistern? 





Sonntag, 7. Juli 2013

Helter Skelter

Prüfungen stehen an und neben den leichtbekleideten Studentinnen steht diese Zeit wohl vor allem im Zeichen des guten Vorsatzes. Zu Silvester noch über den naiven Selbstbetrug des kleinen Mannes gelästert, folgt jetzt quasi... im Prinzip nichts anderes.
Es ist die Verführung des Aufschiebens und des Bessermachens. Der Grund warum mein Heft-,
Stift-, Block- und Bücherbestand an Umfang und Ordnung immer proportional sinkend zum Fortschritt eines Schuljahres war.
In den ersten Wochen noch der King in der Hood, weil man als einziger im U in Besitz von Hautfarbe und Deckweiß war. Nach einem Monat schon wieder der schäbige Knecht, der vor jeder Bastelstunde betteln gehen musste. Da der gute Mr. M. schon zu Grundschulzeiten einen ansehnlichen Psychopathen abgab, wünschte er der Lehrerin dann auch regelmäßig Pest und Pocken an den Hals, wenn sie ihre rote Viereckschere zückte und die anderen Kinder nur strahlten, weil sie minderbemittelte Waldorfspacken waren. Da der gute Mr. M. zu diesem Zeitpunkt aber auch schon ein sagenhafter Genius war, war er stets bemüht unterschiedliche Sponsoren für sein künstlerisches Schaffen zu finden. Wodurch es ihm schließlich gelang den perfiden Schein des sporadisch vergesslichen Standardschülers in seiner Klasse zu wahren. Da er selten dieselbe Person zweimal aufsuchte, hielten sie seine Bedürftigkeit für das Produkt einmaliger Missgeschicke und boten ihm daher mit Vorlieb die benötigten Utensilien an.
Dann kam Mr. M. in die dritte Klasse und den Leuten viel auf, dass sie getäuscht wurden.
Er wurde von niedrigeren Instanzen zum "schusseligst Pimpf alive" gekürt und gehörte von nun an dem suspekten Außenseitertum an.  

Folgen waren erste Drogeneskapaden, der Absturz in die scientologische Sekte (Cruise rockt!), ein dramatischer Hang zu melancholischem Emopop (damals hieß das noch "Green Day"), das Suchen nach Trost bei den leichten Mädchen aus der zweiten Klasse und der, sich langsam anbahnende, exorbitante Hass auf seine Mitschüler, der bis ins sechste Schuljahr geradezu formidabel gedeihte, wo er in einem blutigen Amoklauf hätte gipfeln können, wäre sich der gute Mr. M. zu diesem Zeitpunkt schon darüber im Klaren gewesen, dass es so etwas gibt.

Auf jeden Fall war der häufigste Vorsatz meines Lebens wohl "nächstes Schuljahr...".
"Nächstes Schuljahr führe ich meine Hefte vorbildlich, nächstes Schuljahr passe ich auf, nächstes Schuljahr stoße ich interessante Konversationen im Unterricht an..."
Man lernt es nicht. Diese Vorsätze hatte ich in meinem Leben dreizehn Mal bevor ich endlich aufgesprungen bin und für andere Umstände gesorgt habe.
Die neuen Vorsätze lauten inzwischen wie folgt:
"Nächstes Semester hab ich für jeden Kurs Schnellhefter, nächstes Semester gehe ich regelmäßig zu Vorlesungen, nächstes Semester stoße ich interessante Konversationen in Seminaren an..."
"Nächstes Semester lerne ich rechtzeitig.... arg".
Ach was wäre ich schon längst für ein besserer Mensch, wenn ich mal ein motivierter Mensch wäre.
So ergibt sich die selbe Situation wie vor fünfzehn Jahren. Ich sitze hier und versuche mich mit dem Verfassen von Blogs von der Arbeit abzuhalten. Wie zynisch, wenn man sich mal überlegt wie oft ich das sonst auf die Reihe bekomme.
Es müsste quasi noch eine ätzendere Instanz geben, von der man sich dann mit dem Büffeln auf Prüfungen ablenken könnte.
Aber was tut man? Man wartet bis es zu spät ist. Bekommt auf den Deckel und gelobt es beim nächsten Mal besser zu machen.

Ich vergleiche mich in letzter Zeit gerne mit der deutschen Gesellschaft, was eigentlich schon eine sehr geschmacklose Form der Selbstkritik ist.
Braucht unsere Gesellschaft doch ähnlich regelmäßig den berühmten Tritt in den Arsch um zu merken, dass was falsch läuft. Und versinkt genauso konsequent zurück in Lethargie, sobald das Thema nicht mehr täglich über die Scheiben der heimischen Breitbildgeräte flimmert.
Fukushima um ernsthaft was gegen Atomkraft zu tun, Hitler um zu merken, dass Toleranz was Gutes ist, ein gewisser Robert Enke musste auf den fahrenden Zug mit aufspringen damit Depressionen in unserer Gesellschaft nicht mehr als läppische Wehwehchen abgetan wurden. Prism um zu merken, dass wir im Internet ausspioniert werden und halb Deutschland ging kürzlich baden, damit die Regierung gerafft hat, dass ihre Ausgaben für Hochwasserschutz bestenfalls rudimentär sind.  
Und heute? Atomkraft ist kein Thema mehr, weil: Fukushima schon längst wieder in ferne Vergangenheit gerückt (und überhaupt ist die Atomkraft ja sowieso so gut wie abgeschafft), Depressionen werden wieder belächelt, Toleranz ist eben optional, Hochwasser? irgendwas war da doch? und generell gibts gerade nichts Wichtigeres, als dass irgendein Programm in den USA das Internet ausspäht. Weil man damit natürlich all die Jahre nicht hätte rechnen können.  
Vielleicht brauchen wir erst die totale nukleare Katastrophe um zu kapieren, dass das mit dem Wettrüsten nix wird. Oder es muss sich erst irgendein Promi qualvoll dahinraffen, damit hier was für aktive Sterbehilfe getan wird.
Vielleicht muss ich ja auch erst durch meine Prüfung fallen, damit ich zwei Wochen mal das ernste Verlangen habe, was zu tun.

So viele Vielleichts und nirgendwo bekommt man die Antworten die man hören will.
Draußen dämmert es und immerhin kann ich meinen Freunden jetzt erzählen, dass ich mal die ganze Nacht in der Bibliothek "durchgelernt" habe.
Vielleicht brauchen wir für den Augenblick auch nur den Schein einer heilen Welt um die Welt als heil zu akzeptieren. Zukunft gibt es schließlich immer.


PS: Papa Roach!
Ihr habt alles an die Wand gerockt.

PPS: LastFM stuft diesen Blog als "nicht vertrauenswürdig" ein. Etwas muss richtig gemacht worden sein. 


Mittwoch, 20. Februar 2013

Seepferdchen, ahu.

Neue Schreckensmeldung zum Thema Fleischskandal oder wie es der Volksmund postuliert: Tatort Lasagne! Manch ein gerissener Gesell bezeichnete es sogar ganz unpassend und flachwitzig als Bundeslasagnalamt. Für diesen niveaulosen Ausrutscher ist noch niemals je eine angemessene Foltermethode erfunden worden.
Doch nun zum eigentlichen zehenknabbern hervorufenden Sachverhalt, der sich viel mehr antithetisch verhält, als er das eigentlich möchte. Wer auch immer (völlig unwichtig, da dieser jemand eh genug Geld über den Pokertisch zugeschoben bekommt) hat herausgefunden, dass Pferdefleisch Spuren von glücklichen Kühen enthalten kann - und zwar eine ganze Menge Spuren. Angenommen das Fleisch wäre ein großer Kuchen und man würde den Kuchen in der Mitte zerschneiden, dann erhält man in etwa das Verhältnis zwischen fröhlicher Kuh und dem stupiden Pferd. Der geneigte Zuschauer - der es begriffen hat - neigt sich jetzt auch gerne mal um sich zum nächsten Punkt dieser widerwärtigen Meldung zu übergeben. Ich meine mir als wahnsinnig fanatischer Tierfreund bricht das ja schon so ein bisschen das Herz. Was soll denn das?
Man kann doch nicht so eine süße Kuh essen, welcher ostsizillianische Kulturkreis veranstaltet denn solch derartig unmoralische Dinner? So eine Kuh, die kennt man, man weiß, dass sie zumeist Milka genannt wird oder einfach nur Helge, im Gegensatz zu einem so exzessiv banalen Pferdetier, das sowieso nur als Wurst im Brötchen sowas wie Ästhetik annimmt.
Ja einigen ist das sogar vollkommen egal. Hauptsache Fleisch. Die haben halt bloß Angst wegen den ganzen anderen Dingen, die so eine Kuh mit sich bringt. Antibiotika, vielleicht sogar Chemie oder gar Wachstumsmittel? Bei sowas wird es mir Angst und Bange, es läuft mir kalt den Rücken runter und bevor es den Boden erreicht, erstarrt es zu Schimmel. Als ob Kühe oder gar Pferde mit sowas auch nur ansatzweise in Verbindung stehen würden.
Zum halben Schluss möchte ich dann nur noch mal verkündet haben, dass eine Kuh mir ja nicht noch einmal in mein Essen kommt. Immerhin ist das ja ein Lebewesen. Also wirklich.

Und zum ganzen Schluss möchte ich den geheimnisvollen Mr. M. (der niemals bei Google googlet oder gar bei Facebook angemeldet ist) für das echt geniale Pferwurstpaket danken. Ohne Fell und der einen Hufe wäre es praktischer gewesen, aber immerhin hat es geschmeckt - und das ist ja wohl die Hauptsache!

Sieht nicht nur scheiße aus. Schmeckt auch noch!



Donnerstag, 14. Februar 2013

Sonne, Mond und Sterne, die esse ich voll gerne.

An diesem Tage sollte man meinen, dass Liebe und Zuneigung an oberster Stelle stehen sollten - vor allem wenn alle aufgeblasenen Herzballons sich voller blutpinker Pracht in den himmelblauen Himmel erheben, nur um dann von turtelnden Tauben eiskalt zerhackt zu werden. So liegt nun auch mein schadstoffverseuchtes Herz in Fetzen vor mir auf den dreckigen Boden der Tatsachen. Und ein gewisser jemand - ja Mr M. - trampelt unentwegt wie ein zweischwänziges großes Tier auf ihnen rum. Das ist schon ein großer Zauber: so ein Elefant.

Nach all den Jahren fast schwesternhafter Beziehung ist nun der Augenblick gekommen an dem die Fassade der Pseudofreundlichkeit zu bröckeln scheint. Solch riesenhafte Brocken, dass ich davon auch ein Lied bröckeln könnte - wohl sicher mehr auf dem Klo, als unter der Dusche. Das wäre absolut unhygienisch und außerdem wohne ich hier ja nicht an einem Ort, der nach irgendwelchen Verdauungsorganen benannt ist und damit wahrscheinlich das Ambiente der Umgebung widerspiegelt. (man munkelte Darmstadt hätte sogar sowas wie einen 'eigenen' Werbespot)

Eine unverzeihliche Unverschämtheit die Mr M. mir im vorherigen und grammatikalisch sehr schlechten Blog entgegenbrachte, ist der Grund für mein überaus epochales Comeback. Ich benutze verdammt noch mal deine rechte Hand dafür! - und das weißt du doch.


So. Während andere gesellschaftsgenormte, glückliche Pärchen besseres zu tun haben als Bloggen, befinde ich mich im virtuellen Raum meiner virtuellen Gedanken und Ausflüchte. Wo ich gerade dabei bin, möchte ich auch hier noch einmal das Wort zum Donnerstag verlieren.
Im Gegensatz zu meinem Schreiberlingsassistenten befinde ich den kommerziellen Tag der Liebe als überaus vorteilhaft. Und das nicht nur in einer anderen Parallelwelt. Schließlich erinnern sich alle mal daran, dass es ja noch was anderes gibt außer 364 Tage im Jahr seinen Partner zu ignorieren und ihn endlich mal einen schönen Strauß überteuerter mit Roboterhand angepflanzter Rosen zu schenken, damit der andere ihm die tolle selbstgekaufte Pralinenschachtel in Herzchenform übergeben kann. Beide Seiten erfreuen sich am gesellschaftlichen Bewusstsein des anderen und der Herzenswärme, die in diesen Presenten innewohnen.
Genau so, wie es sein soll - oder?
Deshalb schenke ich meinem größten Verehrer die Widmung dieses vollkommen brillanten Textes.
Mr. M. ich verzeihe deinen kleinen Ausrutscher und schenke dir hiermit das Tollste, was man einem Menschen geben kann:

Buchstaben.






Mittwoch, 13. Februar 2013

Valentin, Oh Valentin

Bevor ich jetzt anfange, sentimental über den Valentinstag zu sülzen, würde ich mich gerne in aller Aufrichtigkeit für die langen Durststrecken auf diesem Blog entschuldigen. 
Würde ich ja gerne, aber in Wirklichkeit ist es alles Mr. K.s' Schuld. Es ist mir ein inneres Zwiebeln ernten, euch mitteilen zu müssen, dass sich Mr. K. auf dem Berg des Reichtums und der Glorie, ausruht, während ich hier im Schweiße meines Angesichts digitale Weltliteratur schaffe.
So ließ er mir erst kürzlich über seinen Agenten mitteilen, dass er "zwar schon so eine Idee hat" seine Schreibehand zur Zeit jedoch, aufgrund von anrüchigen Sexsoaps auf RTL 2, voll ausgelastet ist.

Was natürlich perfide Ausflucht ist, wissen wir doch aus der Bild, dass er dafür bevorzugt die linke Hand gebraucht.

Doch jetzt mal zum eigentlich Übel. Dem Valentinstag... hach.
Da möchte man doch sofort zu einem schlechtgezeichneten Cartoonherz anschwellen.
Nach dem Fest der Liebe also auch der Tag der Liebe. Die Menschen erfahren eindeutig zu wenig Liebe, wenn ich mir das so anschaue. Müssen Tage nach uns fehlenden Tugenden benennen.
Und dann handhaben wir das auch noch völlig falsch. Während die Männer in Japan von den Frauen mit Schokolade und anderen wohlverdienten Annehmlichkeiten überschüttet werden, berufen wir uns hier auf den längst überholten Brauch der "Gegenseitigkeit".
Jaja, und demnächst fordert dann noch irgendjemand die Gleichberechtigung. Oder Frauen in höheren Ämtern oder überhaupt Frauen außerhalb privater Verpflegungseinrichtungen. Oder die Abschaffung sexistischen Humors als Ablenkung von vollkommener Einfallslosigkeit. 

 Es ist eins unserer vielen Laster, dass wir meinen etwas werde attraktiver bzw. wahrscheinlicher wenn wir es auf unseren Terminkalender schreiben. Im Idealfall noch auf ein Datum setzen, das nicht schon nächste Woche ist. Dann haben wir nämlich noch genügend Zeit uns beim Stressmachen keinen Stress zumachen. In dieser Hinsicht ist der Valentinstag eigentlich schon so etwas wie ein inoffizieller oder zweiter Hochzeitstag, je nachdem ob man eben verhaubt ist oder nicht. Und da hat man sich gefälligst dann auch zu lieben und froh und glücklich und total "wuschelig" zu sein. Schließlich gibts diesen vollkommen genormten und unpersönlichen Tag doch nur einmal im Jahr (wie jeden anderen übrigens auch). Und da muss man sich dann eben auch mal zusammenreißen. Oder man geht in den männlichsten Film des Jahres, in Stirb langsam 5, der so männlich ist, dass er am Valentinstag Premiere feiert. Oder man liest diesen Post, der so einfalls- und zusammenhanglos ist, dass er immer noch nicht wirklich was ausgesagt hat.
Ich will einen offiziellen Mr. M. Tag , an dem man sich ausschließlich damit beschäftigt die Motive von offiziellen Motivtagen motiviert zu monieren.
Das war übrigens das erste geistreiche Wortspiel in diesem Text, für die die sowas nicht mitkriegen, von selbst bzw. Mr. M.s' Erhabenheit aus Prinzip anzweifeln.

Blabla... ich glaube das wird heute nichts mehr mit dem Valentinstag... feiert nicht zu hart.  




Samstag, 22. September 2012

-Hier könnte ihre Werbung stehen-


Heute möchte ich den weltweiten Anklang den dieser Blog genießt, mal schamlos ausnutzen und Werbung schalten. Klingt erst mal ganz schön rotzig... ist es auch. 

Aber worum geht's?
Als ich mich gestern Nachmittag widerwillens aus meinen haselnussbraunen, Launen kühlenden, von Pflaumen raunenden Daunen stemmte, kam ich, dem erbarmungslosen Phantomkarter noch zur Gänze erlegen, aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Denn als ich mich da zum Briefkasten schleppte, war da nicht nur die übliche unzählige Anzahl an Fanpost. Sondern auch ein fast schon edel versiegelter Brief mit so etwas wie einem Firmenstempel.
Wie sich herausstellte die liebevollste Selbstzweckaktion die mir je unter die mit Sekret verklebten Augen gekommen ist.  
"Hochgeschätzter Mr. M." schrieb da, in eloquenter Referenz-Intelligenz, ein gewisser Tim C. "ich würde ganz gerne mal bei ihnen Werbung schalten".

Mir schießen in dieser Situation natürlich sofort etliche Gedanken in Richtung "wir lassen uns nicht vermarkten, das ist Kunst, wir sind kein kommerzielles Nutzprojekt" etc. durch den Kopf.
Doch dann komme ich zu den Anzeigevergütungen. Und ich lese einen Betrag der sich inzwischen auf der Rückseite meiner Augenlider eingebrannt zu haben scheint. Denn immer wenn ich meine Augen jetzt schließe sehe ich diese Zahl. Und diese Zahl wird mich immer an das Vermögen erinnern, das ich damals wider meines unkommerziellen Kunstauftrags nicht an mir habe vorbeiziehen lassen, weil es einfach Grenzen in der Enthaltsamkeit geben sollte... und bei 17,75 Euro darf man schon mal schwach werden. 
Also folgt hier der fast offizielle Werbetext.

Das kalifornische IT Unternehmen (bei dem wir mal aus Rechtsgründen von der Nennung des eigentlichen Namens absehen. Hier also liebevoll in:) " Pearppel " (umgetauft.). Hat vor etwas mehr als einer Woche sein neues Projekt vorgestellt. Da die Resonanz bei so einem Nischenprodukt aber verständlicherweise klein ist, folgt hier nun die versprochene Extrawerbung.

 Laut Tim C. handelt es sich dabei um sowas wie ein tragbares Telefon, dass via. einem komplizierten Algorithmus die Coolness seines Besitzers steigern soll. 

In dieser Funktion wird das Gerät auch depressiven Menschen und Schulhofopfern empfohlen. (Ein Rezept kann übrigens gleichermaßen von Psychologen und Ärzten wie Dr. Sommer ausgestellt werden. Der Preis sinkt dadurch immerhin von 785,99 auf 885,99 Euro). 
Als ein weiteres tolles Gadget gilt Siriii, die bereits auf dem Vorgänger installierte VFE*-Software, soll dieses Mal sogar die Kommunikation mit weniger gut aussehenden Nutzern zulassen. Außerdem will man die soziale Persönlichkeit des Programms überarbeitet haben. Ein Schritt der wohl nicht zuletzt auf die tragische Geschichte des Steve J. zurückzuführen ist.
Der kalifornische Kleinunternehmer und Hobbybastler wurde schließlich von Siriii verlassen, nachdem er ihr von seinem Krebs erzählte. Der gute Steve verstarb noch in derselben Woche an gebrochenem Herzen.
Eine schlimme Geschichte auch für Tim C. war Steve doch selbst bei Pearppel angestellt gewesen. "Er erhielt mit einem Dollar, Jahresgehalt, das zweithöchste Honorar in dieser Firma" beteuert Tim C. auf der anschließenden Pressekonferenz.

Doch zurück zu schöneren Dingen:
Zusätzlich soll das Gerät nämlich auch in der sogenannten Gooder Edition erhältlich sein.
"Eine Herzensangelegenheit" erzählt mir Tim C. stolz "für einen Preisaufschlag von nur 50 % garantiert Pearppel eine Sonderherstellung, frei von Kinderarbeit und Steuerhinterziehung".
"Da ist wirklich für jeden was dabei" finden wir.
"Früher wusste ich nicht wohin mit meinem Geld" berichtet Renate T. glücklich. Und sie ist nicht die einzige, denn bereits die Vorgängermodelle gelten als echte Geheimtipps im "Underground". "Pearppel gibt mir einen Grund jeden Morgen aus meinem Bett zu steigen und arbeiten zu gehen" schwärmt Tom R., Anwalt.

*VFE = Virtuelle Freundin Engine

Es ließ sich jetzt natürlich noch weiter erzählen, wäre Tim C. bereit die große Anzeige zu schalten. Da er das nicht ist, wollen wir ihnen an dieser Stelle nur noch verraten worauf sie sicher schon sehnlichst warten. Den Name des Produkts. Davor sollten sie sich aber noch einmal vor Augen führen, dass hier wirklich nur eine Randgruppe bedient wird. Sein sie also nicht traurig wenn sie diesen Namen jetzt gleich zum ersten Mal lesen. Laut Tim C. wird das Produkt eine Reihe fortsetzen und insofern auch einen traditionelleren Namen tragen.
 Man nennt es wohl iPhone 5 und Experten sagen; es könnte ein richtiger Erfolg werden. 



Freitag, 31. August 2012

Weiß in Weiß.

Nachdem Mr M. die Rückkehr der Könige ankündigte und damit sagen wollte, dass der Kosmos der Götter sich abermals öffnet; für alle die, die fähig sind Realitäten zu ertragen, Sinnbilder zu deuten, schwarzen Humor verachten und im gleichen Atemzug über ihn zu lachen und - wie sollte es auch anders sein - völlige Unsinnkeiten und lachhaft schlechte Artikel und Blogs zu würdigen, bis einer weint.
"Irgendwann in nächster Zeit" wiederspiegelt klar unser Talent für Präzision und wahrhaftigen Wahrsagen, deren nebliger Nebel vor unseren blinden Augen demütig flieht.
So speisen wir bald wieder gemeinsam aus einer mageren Suppe mit allzu bitterem Beigeschmack und erhoffen uns viele neue Löffel dort herumrühren zu sehen. Denn merke: wenn viele in die Speise spein, muss Salz und Pfeffer nicht mehr rein!
Die Thematiken erreichen abermals epochale Aktualität und teils gesellschaftsverachtende Überschriften, die von A wie Aerobicmythen über B wie Blutwurst bis hin zu Z wie zentralafrikanische Hungersnot reichen.

In ein paar Stunden, Tagen, Wochen - wie auch immer - werden Mr M. und Mr K. ihre vegetarische Gummibärchentüte neben dem Schreibgerät aufreißen und die Finger bis zum Knochen abtippen.
Und das alles für diese Erde ... und euch!

Mittwoch, 29. August 2012

Posttitel


Nach Tierschändung in der Ukraine, EM Trubel, Anonymous und all dem anderen nicht wahrgenommenen Scheiß. (Man könnte sogar sagen, man habe hier die berühmten Perlen vor die Säue geworfen).
Kehrt dieser Blog hocherhobenen Hauptes und wie sich das gehört, ganz ohne konkretes Konzept oder gar einem tollen Thema, aus der Versenkung zurück (irgendwann*). Dieses Mal auch ohne Fischstäbchen oder sentimentalen gelben Plastikspielzeugen, weil Mr. K. gerade nicht zu erreichen war.  

*irgendwann = eines Tages


Montag, 20. Februar 2012

Ideal für Vollidioten


„Freunde sind wie Sterne...“ „Wahre Freunde sind immer für Dich da und nicht erst Morgen, vielleicht oder irgendwann, sondern sofort“ hach...
*_____________*
Ein Thema das mir nicht zuletzt deshalb auf der Seele liegt, weil ich manchmal selbst dazu neige mit diesen Bilderbuchphrasen um mich zu werfen. Im Regelfall um jemandem zu schmeicheln oder ein schlechtes Gewissen zu machen. Vollkommener Eklektizismus gegen unvollkommene Freundschaften. Weil es einfach gut klingt. Und nehmen uns damit die Möglichkeit, das Objekt das wir für so einzigartig halten, mit unseren eigenen Worten zu beschreiben. Wir assimilieren. Wir verkünsteln uns normgerecht. Solange bis unsere Beziehungen dem Ideal entsprechen. Dem Glauben an ewige Freundschaft und uneingeschränkten Zusammenhalt. Das ist doch... scheiße ;)
Sowas z. B.

„Ein wahrer Freund steht noch zu dir, wenn sich alle anderen längst von dir abgewandt haben“

Die Frage die ich mir da stelle ist „ja warum überhaupt?“. Bist du vielleicht irgendwie ein kleines Bisschen sogar selbst Schuld? Und trittst die Gutmütigkeit der Menschen, die zu naiv sind einzusehen, dass du dich zum totalen Vollidioten gemauserst hast, die "einzig wahren Freunde" mit Füßen?
Dieser Spruch suggeriert uns also, dass sich nur die aller echtesten Freunde ausnutzen lassen?
Ich weiß meine Freunde durchaus zu schätzen. Aber ist es mir deshalb verboten, die Deppen auszusortieren?
Viel eloquenter noch:

„Wahre Freunde sitzen im Knast neben dir und sagen: geile Aktion“

welcher von seiner Prämisse und lyrischen Raffinesse fast schon ein Machtwerk der Onkelz oder Frei.Wild sein könnte.
Sollte ich mich eines Tages in der Situation befinden ins Gefängnis zu wandern, ist „geile Aktion“ sicher das Letzte was ich dann hören will. Klingt spießig, aber gerade von diesen Leuten erwarte ich eigentlich, dass sie mich davon abhalten Dummheiten zu machen.
Und zu guter Letzt:

„Freunde sind wie Sterne, du siehst sie nicht immer aber sie sind immer da“.

Ein Satz der sich inzwischen ja irgendwie schon durch die Tatsache disqualifiziert, dass wir nicht mehr in der Lage sind andere mit unseren Problemen zu "belasten". Und falls wir es doch mal tun, erzählen wir viel mehr als eigentlich nötig ist. Versinken im Selbstmitleid und nutzen die Möglichkeit, endlich jemanden zu haben von dem wir insgeheim wissen, dass er uns nur zuhört, weil er es für seine Pflicht hält, nach Strich und Faden aus. Jey.

Die Clou ist allerdings nicht, dass es keine echten Freunde gäbe, sondern das Ideal von Freundschaft. Entstehend aus diesen, inzwischen unendlich abgedroschenen Floskeln, die jeden Tag aufs neue von Leuten dazu missbraucht werden, sie ihren Liebsten an den Kopf zu werfen, in der Hoffnung, dem etwas näher zu kommen, von dem sie insgeheim wissen, dass es keinesfalls ihrer Beziehung entspricht.
Absolut identische Beobachtungen bei den Partnerschaften. Nur kommen wir hier in den Luxus wesentlich schnellerer Ergebnisse. Schließlich haben die meisten „4evatogeda“ Beziehungen bestenfalls eine Haltbarkeit von geräuchertem Lachs oder Kräuterschmand.
Das nur am Rande.
Man könnte jetzt natürlich noch weiter machen, aber ich muss diesen Text ja dann auch noch korrigieren und... joa... wisst Bescheid :D 

Generell halte ich das zweite Zitat auch für eines der wenigen, die man sich zu Herzen nehmen sollte, um nicht eines Tages im Luftschloss vergessen zu werden.
„Wahre Freunde sind immer für Dich da und nicht erst Morgen, vielleicht oder irgendwann, sondern sofort“

Aber jetzt auch nicht so der rhetorischer Überflieger, oder?